PD zuhause - einfach erklärt

Peritonealdialyse (PD)
einfach erklärt

Diagnose und Therapie von Nierenerkrankungen gehören zum Fachgebiet von Nierenfachärzten (Nephrologen). Die Ursachen für irreversible Nierenerkrankungen, die zu einer Dialyse oder einer Nierentransplantation führen können, sind unter anderem:

  • Diabetes mellitus
  • unbehandelter langjähriger Bluthochdruck
  • Angeborene Erkrankungen, z.B. Zystennieren, Fehlbildungen
  • Entzündungen, Systemerkrankungen, Medikamentenmissbrauch

Im Gegensatz zur Dialyse in einem Dialysezentrum ist die Therapieform der Peritonealdialyse ein Heimverfahren. Es kommt der eigenen Nierenfunktion durch die tägliche Anwendung sehr nahe.

  1. Die Peritonealdialyse (PD) findet innerhalb des Körpers statt.
  2. Die Behandlungsmethode kann mit und ohne maschinelle Hilfe erfolgen.
  3. Das Bauchfell (Peritoneum) dient dabei als Filter.
  4. Durchführung der PD vom Patienten selbstständig zu Hause.
  5. Sie sind nicht allein: medizinische Unterstützung vom behandelnden Zentrum ist jederzeit gewährleistet.
PD Katheteraustritt
Eingeheilter Katheter

Voraussetzung für die PD ist ein Zugang zur Bauchhöhle

Der Zugang wird über einen Schlauch (Katheter) ermöglicht, der in einem kleinen operativen Eingriff platziert wird (ca. ½ stündiger Eingriff).

PD - Doppelbeutel-System - Baxter Patienteninformation
🔍 Doppelbeutel-System

Das Doppelbeutel-System

An den Katheter wird ein Doppelbeutel-System angeschlossen. Der obere Beutel beinhaltet die frische Dialyselösung, welche in die Bauchhöhle eingefüllt wird, der andere Beutel dient als Auffanggefäß für die die verbrauchte Flüssigkeit, die anschließend vom Patienten verschlossen und entsorgt wird.

Die Dialyselösung

  • ist eine sterile Flüssigkeit, die in die Bauchhöhle gefüllt wird.
  • nimmt die Giftstoffe aus dem Blut auf
  • entzieht überschüssiges Wasser aus dem Blut und
  • führt dem Blut wichtige Substanzen wie z.B. Elektrolyte zu

Beutel-Wechsel automatisch oder manuell

Es gibt 2 verschiedene PD-Verfahren: die kontinuierliche ambulante Peritionealdialyse (CAPD = continously ambulantory peritoneal dialysis), bei der der Patient den Beutelwechsel selbst durchführt, während bei der automatisierten PD (APD) ein Gerät diese Aufgabe übernimmt.

CAPD, Beutelwechsel
CAPD Beutelwechsel (manuell)

Behandlungsablauf CAPD

  • 3 bis 4 Beutelwechsel pro Tag (Austausch der Dialyselösung)
  • Pro Beutelwechsel ca. 20 bis 30 Minuten
  • Verweilzeit der Dialyselösung im Bauch: ca. 4 bis 6 Stunden
APD Beutelwechsel mit Cycler-Gerät
APD Beutelwechsel mit Cycler-Gerät

Behandlungsablauf APD

Gerät (Cycler) übernimmt Steuerung und Überwachung der nächtlichen Behandlung. Tagsüber ist die Bauchhöhle zwar befüllt, aber es findet kein Beutelwechsel statt.

 

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PD lernen - Baxter Patienteninformation

PD ist schnell gelernt

Die meisten Patienten lernen diese Methode innerhalb weniger Tage. Ihre zuständige PD-Schwester wird dabei großen Wert auf eine sorgfältige Schulung legen und Ihnen die Zeit geben, welche Sie benötigen um das Verfahren sicher zu erlernen.

Das spricht für die PD

Vorteile der PD
  • Kontinuierliche Entgiftung und Entwässerung
  • Keine Kreislaufbelastung, da Dialyse permanent abläuft und nicht „stoßweise“ wie im Dialysezentrum
  • Längerer Erhalt der Nierenrestfunktion
  • Mehr Freiheit bei Essen und Trinken
  • Kein Punktionsschmerz da keine Blutgefäßpunktion wie bei der HD notwenig ist
  • Individuelle Zeiteinteilung, Flexibilität und Unabhängigkeit vom Dialysezentrum
  • An jedem sauberen Ort durchführbar (bei der Arbeit, auf Reisen)
  • Ambulanzbesuch nur alle 4 – 6 Wochen, ist in der Regel ausreichend
  • Gute berufliche und soziale Rehabilitation (kaum Einschränkungen bei Arbeit, Sport und Freizeit)

Anpassung der Lebensweise an die PD

Jede Dialyse bedeutet eine Umstellung des Tagesablaufs und auch Einschränkungen des bisherigen Lebens. Die Transplantation als beste Nierenersatztherapie ist aus medizinischen Gründen nicht für jeden Patienten möglich. Deshalb ist die Dialyse und insbesondere die Peritonealdialyse für viele Patienten die einzige lebenserhaltende Therapie, die nach einer Eingewöhnungsphase im allgemeinen gut toleriert wird und das Leben weiter lebenswert sein lässt.

PD Patienten berichten, dass die

  • tägliche Behandlung auch einmal als Belastung empfunden werden kann
  • PD-Katheter und Dialyselösung im Bauch ein verändertes Körpergefühl verursachen kann
  • der Bestandteil von Zucker in der Dialyselösung im Speiseplan berücksichtigt werden muss (zusätzliche Kalorien!)
  • Lagerplatz für einen Materialvorrat von ca. 4 Wochen zur Verfügung stehen muss
  • das es beruhigend ist zu Wissen, immer einen Ansprechpartner aus dem PD-Team erreichen zu können
Mehr Details sehen Sie hier im Video zu Nierenversagen und Patientenentscheidung.

Mögliche Komplikationen

Die folgenden Herausforderungen sind eher selten und können in der Regel gut behandelt werden:

  • Leckagen (undichte Stellen am Katheteraustritt) - Hernien (Brüchen aufgrund von schwachem Bindegewebe)
  • Katheterfehllagen
  • Infektionen (z.B. Bauchfellentzündungen), ähnlich wie Shunt- oder Katheterinfektionen bei der Hämodialyse
  • Veränderungen des Bauchfells

Unser Tipp: www.lebenlang.de mit dem Interview des Dialysepatienten Andreas Hesse. Er spricht
im Video über seine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Bauchfelldialyse

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