So kommen Sie erfrischt durch den Sommer

In der warmen Jahreszeit stehen kühle Getränke und Eis hoch im Kurs. Viele Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) und Dialysepatienten müssen allerdings in besonderem Maß auf ihre Flüssigkeitszufuhr achten, da die Nieren eine entscheidende Rolle für die Regulation des Flüssigkeits- und Salzhaushalts spielen.

In den Anfangsstadien einer Nierenerkrankung gilt meist die Empfehlung, viel zu trinken, um eine gute Entgiftung zu gewährleisten. Bei fortschreitender Erkrankung sinkt die Fähigkeit der Nieren zur Ausscheidung von Salz und Wasser. Im Endstadium einer Niereninsuffizienz und nach Beginn einer
Dialysebehandlung kann es daher erforderlich sein, die Flüssigkeits-und Salzzufuhr zu senken. Übersteigt die Flüssigkeitszufuhr die mit der Dialyse entfernte Menge, lagert der Körper Flüssigkeit ein. Es entstehen Flüssigkeitsansammlungen, sogenannte Ödeme, z. B. in den Beinen. Herz und Kreislauf werden belastet und der Blutdruck kann ansteigen.1

In welchem Umfang die Trinkmenge eingeschränkt werden muss, ist von Patient zu Patient unterschiedlich und wird vom betreuenden Dialyseteam festgelegt. Zu den Einflussfaktoren zählen beispielsweise das  Dialyseverfahren und die Restfunktion der Nieren. Da die Peritonealdialyse (PD) in der Regel als kontinuierliches Verfahren durchgeführt wird, müssen PD-Patienten ihre Flüssigkeitszufuhr meist weniger stark einschränken.2

Bei der Hämodialyse (HD) finden in der Regel drei Behandlungen pro Woche statt. Daher ist es zwischen den Behandlungen wichtig, die Flüssigkeitszufuhr einzuschränken. Für viele HD-Patienten gehört die Beschränkung der Trinkmenge zu den unangenehmsten Folgen der Hämodialyse.3

Hier sind Durchhaltevermögen und Ehrlichkeit gegenüber sich selbst gefragt.

Die individuell empfohlene Trinkmenge legen die behandelnden Ärzte fest. Sie hängt vor allem von folgenden Faktoren ab:

  • Stadium der Nierenerkrankung
  • Behandlungsverfahren (PD oder HD)
  • Blutdruck
  • Gewicht und Gewichtsverlauf
  • Vorliegen von Flüssigkeitsansammlungen
  • Mit der Dialyse entfernte Flüssigkeitsmenge
  • Ausgeschiedenen Urinmenge
  • Flüssigkeitsverluste über Haut, Lunge und Darm


Folgende Tipps können gegen den Durst helfen:

Tipps bei Durst und trockenem Mund

  • Empfohlene Trinkmenge für den Tag bereitstellen und über den Tag verteilt trinken
  • Langsam aus kleinen Bechern oder Gläsern trinken
  • Mund ab und zu mit Wasser spülen
  • Eiswürfel löschen den Durst besser als die gleiche Menge Flüssigkeit (Flüssigkeitsmenge berücksichtigen:
  • Pro Eiswürfel ca. 10–30 ml)
  • Kalte oder gefrorene Obststücke lutschen
  • Zuckerfreien Kaugummi kauen, um den Speichelfluss anzuregen
  • Sehr süße oder salzige Speisen meiden


Geeignete Getränke für Dialysepatienten:

  • Wasser und Mineralwasser sind sehr gute Durstlöscher
    (Bei Mineralwasser natriumarme Sorten bevorzugen)
  • Kräuter- und Früchtetee
  • Limonaden (auch zuckerfreie) im Verhältnis 1:1 oder 1:2 mit Wasser verdünnen
  • Kaffee und schwarzen Tee in Maßen; kühle Getränke löschen den Durst besser


Flüssige Milchprodukte eignen sich nicht als Durstlöscher und sind für Patienten, die auf ihre Phosphat- und Kaliumaufnahmeachten müssen, weniger geeignet. Patienten, bei denen keine erhöhten Kaliumwerte vorliegen, können auch stark verdünnte Fruchtsäfte trinken.

Kochsalz macht durstig

Eine kochsalzreiche Ernährung steigert den Durst und begünstigt Bluthochdruck. Für Dialysepatienten ist daher eine salzarme Ernährung empfehlenswert.

Tipps zur Senkung der Kochsalzzufuhr:

  • Zum Würzen vor allem Kräuter verwenden
  • Nachsalzen vermeiden
  • Kochen mit frischen und aromareichen Zutaten
    (z. B. Zwiebeln, Olivenöl, Balsamico, Kräuteressig)
  • Auf verstecktes Salz in Fertiggerichten, -saucen, -suppen, gepökelten Fleisch- und Fischwaren sowie Brühwürfeln achten
  • Auf salzige Snacks verzichten
    Ein Trost für alle, die bisher immer gerne salzig gegessen haben:
    Das Geschmacksempfinden passt sich nach einer Zeit an. Der Eigengeschmack der Speisen tritt in den Vordergrund und das Verlangen nach salzreichen Speisen sinkt.

 

1 Thilo F, Stracke S, Gärtner S. Dial Akt 20 (9): 436–449, 2016.

2 Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention e. V.: Chronisches Nierenversagen II. Ernährungsberatung und -therapie. Auflage 2014.

3 Lipowski A, Peng A, Zarouk S. National Kidney Foundation’s 2018 Spring Clinical Meetings, Austin, Texas, USA, Poster 322, 2018.