Alt und schwach oder jung und sportlich - Nierenversagen kann jeden treffen

„Ich doch nicht – wieso denn ich, ich bin doch erst 23, ich lebe gesund … ich versteh das nicht“, waren die ersten Worte, die Christiane K. über die Lippen brachte, als der Nierenspezialist ihr klar machte, dass ihre Nieren in einem sehr schlechten Zustand seien und sie auf jeden Fall in ganz kurzer Zeit dialysepflichtig würde. Alles andere, was der Arzt sagte, verschwand hinter einem Wasserfall von Gedanken, die ihr gleichzeitig durch den Kopf gingen. „Jetzt gehen Sie erst mal spazieren, und dann kommen Sie wieder und wir sprechen über alles.“

Eine gute Stunde später saß Christiane K. wieder dem Arzt gegenüber, und dieser erklärte ihr, dass chronische Nierenerkrankungen mit höherem Alter zwar öfter aufträten, aber nicht zwangsläufig altersbedingt seien. Oft würde eine ganze Reihe von Faktoren bei der Schädigung der Nieren eine Rolle spielen, fuhr er fort. Ein Zusammenhang mit der Lebensweise könne dann bestehen, wenn diese zum Beispiel verantwortlich für hohen Bluthochdruck oder Ursache für Diabetes sei – oder bei unkontrollierter Einnahme von Schmerzmitteln über lange Zeitträume. Bluthochdruck und Diabetes könnten aber auch bei gesunder Lebensweise auftreten und genauso Nierenversagen verursachen, wie Entzündungen. Wie der Arzt es auch bei Christiane vermutete, kommt es vor, dass eine schon Jahre zurückliegende bakterielle Nierenbecken-Entzündung oder eine andere Infektion im Nieren- und Harnleiterbereich die Primärursache für eine langsam fortschreitende Nierenschädigung ist. Letztendlich kann es jeden treffen, und wenn eine chronische Nierenerkrankung vorliegt, bei der Gewebe zerstört ist, kann man daran auch nichts mehr „reparieren“. Wenn die Schädigung weit fortgeschritten ist, ist eine Dialyse unumgänglich - zumindest bis zu einer eventuellen Nieren- transplantation.

Dass Christianes Nieren schon lange nicht in Ordnung waren, war auch der Grund, warum sie in den letzten Wochen so müde war und dafür, dass ihre Wettkampf Leistungen so nachgelassen hatten - Christiane ist Leichtathletin aus Leidenschaft, sie läuft alles von 800 bis 5000 m und sie träumt davon, irgendwann beim New York Marathon mitzulaufen.

Der Traum vom New York Marathon bleibt realistisch

Christiane kannte die Erkrankung von ihrem Großvater. Der musste, seit er 63 war, dreimal die Woche ins Krankenhaus und wurde vier Stunden an die  Dialysemaschine  angeschlossen. Das wollte sie auf keinen Fall.

Der Arzt erzählte ihr von der Peritonealdialyse, einer anderen, absolut gleichwertigen Dialysemethode. Bei dieser reinigt man das Blut nicht mit einer Maschine, sondern man benutzt das Bauchfell, das Peritoneum, als Filtermembran. Dafür wird eine Dialyselösung in die Bauchhöhle eingefüllt. Diese nimmt die Schadstoffe auf und wird nach einer bestimmten Zeit wieder durch eine frische Lösung ersetzt. Den Zugang zur Bauchhöhle bietet ein kleiner Katheter, der fest in die Bauchhöhle eingepflanzt wird. Dieser Beutelwechsel erfolgt bei der so genannten CAPD, der Continuierlichen Ambulanten Peritoneal Dialyse, 3-4-mal am Tag und dauert ca. 30 Minuten.

„Wie soll ich das denn machen – ich bin Studentin, ich kann so einen Beutelwechsel doch nicht während der Vorlesung machen oder auf dem Sportplatz – bei so einem Wettkampf bin ich den ganzen Tag unterwegs oder kann ich vielleicht gar keinen Sport mehr machen – mit so einem Katheter im Bauch?“

„Das ist grundsätzlich kein Problem“, beruhigte sie der Arzt. „Sie können ganz  normal weiterstudieren und ihren Sport können sie unter Beachtung einiger Punkte auch machen. Der Katheter wird nach einer kurzen Gewöhnungszeit nicht mehr stören und eine trainierte Bauchdecke ist eine gute Voraussetzung für eine PD. Es gibt schon Leistungssportler, die mit dieser Methode dialysieren und sehr gute Erfahrungen damit gemacht haben. Wenn sie den ganzen Tag an der Uni oder auf dem Sportplatz unterwegs sind, ist für sie wahrscheinlich die Peritonealdialyse während der Nacht, die so genannte APD, die geeignete Form.“

Diese APD, die Automatische Peritonealdialyse, wechselt die Beutel mit Hilfe eines kleinen Gerätes, dem Cycler, während der Nacht. Die Blutreinigung mit den 15 bis 20 Liter Dialysat dauert etwa 7-9 Stunden und endet mit einer Füllung des Bauchraums. Das Gerät steht neben dem Bett und arbeitet so leise, dass es nicht stört. Es wärmt die Beutel auf Körpertemperatur an und es überwacht alle Funktionen. Der Verbindungsschlauch ist lang genug, damit er beim Schlafen nicht behindert und man sogar nachts ein wenig herumlaufen kann.

Für Christiane waren diese Informationen eine große Erleichterung. Ein paar Bedenken hatte sie nur wegen des zusätzlichen Gewichts der Flüssigkeit während der Laufwettkämpfe. Doch auch da konnte der Arzt auf seine Erfahrung mit anderen Sportlern zurückgreifen. Unter strenger Beachtung der Hygienevorschriften: sauberer, zugluftfreier Raum, nötige Desinfektion und Mundschutz, könne Christiane im Bedarfsfall einen Teil der Flüssigkeit ablassen und nach dem Lauf wieder auffüllen. Sie könne das z.B. im Sanitätsraum der Wettkampfstätte tun oder in jedem anderen geeigneten Raum. „…aber das sind Feinheiten, über die wir dann noch sprechen können, wenn es soweit ist“, schloss der Arzt.

Christiane K. bekam schnell einen Termin in einem Dialysezentrum, wo sie sich noch mal alles zeigen ließ, sie erhielt Info-Videos und konnte schon mal den Umgang mit dem Beutelwechsel üben. Sie verbrachte sogar ein paar Nächte mit einem auf dem Bauch aufgeklebten Schlauch um zu testen, ob sie damit schlafen könnte. Kein Problem.

Inzwischen hat Christiane ihren Katheter und natürlich brauchte es einige Zeit bis sie sich an alles gewöhnt hatte, aber jetzt ist alles Routine für sie, und mit ihrer sehr gut funktionierenden Blutreinigung kann sie jetzt wieder an die sportlichen Leistungen anknüpfen, die sie hatte, bevor ihre Nieren den Dienst versagten.

Patienten Service

Hier können Sie sich die Patientengeschichte von "Christiane K." als PDF herunterladen.