Fragen und Antworten: Die Peritonealdialye

Kontinuierliche Ambulante Peritonealdialyse (CAPD)

Automatisierte Peritonealdialyse (APD)
Darf ich Reisen?
Darf ich mich körperlich anstrengen und Sport treiben?
Muss ich mein Haustier abgeben?
 

Die Peritonealdialyse (PD) wird durch PD-Pflegepersonal antrainiert. Sie werden 1 - 2 Wochen lang täglich im Dialysezentrum mit den Behandlungsabläufen vertraut gemacht. Es ist anfänglich eine Menge zu lernen, Sie haben aber Zugriff auf ein breites Spektrum an Lehrmaterial wie Büchern und Videos, die Ihnen das Lernen erleichtern. Es ist ebenfalls sehr wichtig, dass Sie die Lerngeschwindigkeit bestimmen. Sie lernen einen Beutelwechsel vorzunehmen, die Anzeichen einer Infektion zu beurteilen und wie Sie Ihr Körpergewicht und Ihren Flüssigkeitshaushalt überprüfen. Während und nach dem Training stehen Sie in engem Kontakt mit Ihrem Arzt und dem PD-Pflegepersonal sowie Ernährungsberatern, und manchmal auch Sozialarbeitern. Es wird immer jemand da sein, der Ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht - auch wenn die PD schon bald ein Teil Ihrer täglichen Routine geworden ist.

Ein dünner, weicher Schlauch, Katheter genannt, wird durch einen kleinen chirurgischen Eingriff dauerhaft in der Bauchhöhle platziert. Der Katheter hat einen Durchmesser von ca. 6 mm. Etwa 15 cm des Katheters befinden sich außerhalb des Körpers. Am Ende des Katheters ist ein verschließbares Überleitungssystem angebracht. Daran wird bei einem Beutelwechsel der Beutel mit Dialyselösung angeschlossen. Der größte Anteil des Katheters liegt innerhalb des Körpers. Bei sorgfältiger Pflege erfüllt ein Katheter jahrelang seine Aufgabe. Die Stelle, aus der der Katheter aus dem Bauch kommt (Katheteraustrittsstelle), liegt ungefähr 2,5 cm unterhalb und seitlich des Nabels. Die genaue Austrittsstelle wird von Ihnen und Ihrem Arzt festgelegt, damit das Katheterende bequem und einfach unter der Kleidung verborgen werden kann.

Sobald der Hautbereich um den Katheter abgeheilt ist, muss dieser gut gepflegt und sauber gehalten werden. Sie können den Katheteraustritt während des Duschens reinigen und anschließend gut trocknen. Der Bereich um die Austrittsstelle sollte stets trocken sein, die meisten Patienten decken die Austrittstelle anschließend mit einem kleinen Verband ab. Er beeinträchtigt weder Ihren Lebensstil, noch stört er Sie bei Ihren Aktivitäten. Ihr PD-Pflegepersonal gibt Ihnen hierzu genaue und einfache Anweisungen.

Bei Beginn der PD werden Sie ein leichtes “Völlegefühl” in Ihrem Bauch verspüren. Dieses Gefühl wird aber schnell wieder verschwinden. Ein durchschnittlicher Erwachsener kann bequem 2 - 3 Liter Flüssigkeit in seiner Bauchhöhle haben, ohne es zu bemerken.

Sie können Ihren Beutelwechsel zu Hause, unterwegs oder auf Reisen an jedem sauberen, geschützten Ort durchführen. Dabei können Sie einen Tisch, einen Schreibtisch oder sogar Ihr Auto als Arbeitsbereich nutzen. Ein Beutelwechsel dauert inklusive Vorbereitung und Entsorgung ca. 30 Minuten. Währenddessen  können Sie sich mit anderen Tätigkeiten beschäftigen wie z. B. mit Fernsehen, Telefonieren, Schreibtischarbeiten oder Lesen.

Das APD-Gerät wird neben Ihrem Bett aufgestellt und der Austausch der Dialyselösung findet während des Schlafes statt. Jede Nacht schließen Sie vor dem Schlafengehen Ihren Katheter an ein Schlauchsystem an, das mit dem APD-Gerät verbunden ist. Die Schlauchlänge ist so bemessen, dass Sie bequem schlafen und einige Schritte umhergehen können. Das APD-Gerät ist leise und weckt Sie nachts nicht auf.

Das Gerät hat drei Hauptaufgaben:

  1. Das Aufwärmen der PD-Beutel mit der Dialyselösung auf Körpertemperatur,
  2. die Kontrolle über Zeit und Volumen des Flüssigkeitsaustausches und
  3. die Überwachung der Behandlung.

Falls während der Behandlung Probleme auftreten, werden Sie durch einen Alarm geweckt. Das Gerät hat eingebaute automatische Sicherheitsvorkehrungen, die die Behandlung überwachen. Im Notfall ist es jederzeit möglich die Behandlung zu beenden und sich vom Gerät abzuschließen.

Sie kommen gewöhnlich einmal monatlich, wenn nicht anderes vereinbart, zu Ihrem Arzt ins Dialysezentrum, um die Blutwerte und Ihren Gesundheitszustand beurteilen zu lassen. Der Katheter und die angrenzende Haut werden kontrolliert. Sie können Ihren Dialyseverlauf mit dem Pflegepersonal besprechen und Ihren Ernährungsberater oder Ihren Sozialarbeiter aufsuchen. In vielen Dialysezentren besucht Sie die PD-Pflegekraft oder der -Arzt nach dem Training auch zu Hause. Dies gibt Ihnen die Möglichkeit, die vor Ort auftretenden Fragen zu klären.

Probleme und Komplikationen sind selten und in aller Regel gut beherrschbar. Es besteht die Möglichkeit der Ausbildung von Hernien, dem Nachlassen der Bauchfellfunktion und dem Auftreten von Infektionen. Im Rahmen ihre PD-Trainings lernen Sie, die frühen Anzeichen von Komplikationen zu erkennen und dass Sie diese sofort Ihrem Arzt mitteilen müssen. Mögliche Infektionen werden ambulant mit Antibiotika behandelt. Wenn die Anweisungen genau befolgt werden, ist eine Infektion kein ernsthaftes Problem und kann zu Hause behandelt werden.

In diesem Falle müssen Sie Ihr Dialysezentrum kontaktieren. Nach Beendigung Ihres Trainings erhalten Sie eine Liste von Telefonnummern, wo Sie rund um die Uhr Hilfe erreichen können. In den meisten Fällen brauchen Sie außerhalb der normalen Dienstzeit nicht zum Dialysezentrum zu kommen. Auch wenn Sie erst nach dem Training nach Hause gehen, stehen Sie mit Ihrem Dialyseteam in enger Verbindung. Mit der Zeit wird Ihr Selbstvertrauen wachsen und Sie werden nicht mehr so häufigen Kontakt nötig haben. Ihr PD-Team wird aber immer für Sie erreichbar sein.

Sie können im In- und Ausland reisen. Besprechen Sie Ihre Reisepläne mit Ihrem Arzt und dem PD-Pflegepersonal, da diese Ihnen hilfreiche Ratschläge und Tipps geben können. Für Kurzreisen können Sie Ihr Verbrauchsmaterial einfach in einen Koffer oder in das Auto packen. Bei längeren Reisen ins Ausland benötigt das Dialyseunternehmen frühzeitig vor Antritt der Reise Details wie z. B. Aufenthaltsort, Reisepläne und Dialysebedarf. Dies ermöglicht es, die erforderlichen Beutel und anderes Verbrauchsmaterial an Ihren Urlaubsort zu senden. Das Dialyseunternehmen gibt Ihnen auch Adressen und Telefonnummern der nächstgelegenen Dialysezentren mit.

Viele PD-Patienten betätigen sich sportlich. Sie gehen z. B. schwimmen, spazieren, joggen, fahren Rad, spielen Tennis oder machen Gartenarbeit. Es gibt einige Sportarten, die schweres Heben erfordern und Druck auf den Bauch ausüben. Diese sollten vermieden oder nur bei leerer Bauchhöhle ausgeübt werden. Ihr Arzt oder Ihr PD-Pflegepersonal wird Sie gerne darüber beraten. Des Weiteren können Sie einen Physiotherapeuten des nephrologischen Teams zu Rate ziehen.

Aufgrund der Peritonealdialyse müssen sie keine Tiere abgeben. Natürlich dürfen ihre Tiere bei ihnen bleiben. Jedoch sollten die Tiere sich nicht in dem Raum aufhalten in dem sie die Beutelwechsel durchführen. Schläuche sind gerade für Hunde und Katzen von besonderem Interesse und laden die Tiere zum Spielen ein. Auch kann keine Katze einem weichen  CAPD-Beutel auf der Wärmeplatte widerstehen. Das sollten Sie unbedingt verhindern.

Ihr gesamtes Verbrauchsmaterial wird Ihnen regelmäßig - gewöhnlich monatlich - nach Hause geliefert. Ihre PD-Pflegekraft wird Ihnen erklären, wie Sie Ihr eigenes Verbrauchsmaterial bestellen und hilft Ihnen die Lieferung zu vereinbaren. Sie benötigen einen trockenen Stauraum. Ein Paketdienst liefert das Verbrauchsmaterial, trägt es ins Haus und hilft Ihnen bei der Lagerung. Bitte sprechen Sie frühzeitig das PD-Pflegepersonal an, falls Sie ein Platzproblem haben sollten, so dass man über eine andere Lösung nachdenken kann. Zur Sicherheit ist im Dialysezentrum stets Reservematerial vorhanden.

Selbstverständlich können Sie weiterhin Ihre Gartenarbeit tätigen. Idealerweise verwenden Sie Handschuhe während der Gartenarbeit um Ihre Hände vor grober Verschmutzung zu schützen. Falls sich Ihr Garten nicht an Ihrem Wohnhaus befindet, können Sie unter Umständen auch den Beutelwechsel in Ihrem Gartenhaus durchführen. Dies sollten Sie jedoch im Vorfeld im Detail mit Ihrem behandelnden Dialyseteam besprechen!

Wie jede Dialysetherapie ist auch die Bauchfelldialyse nicht frei von Komplikationen.
Es kann vorkommen, dass sich die Stelle rund um den Eintritt des PD-Katheters entzündet. Ferner kann es zu einer Entzündung des Bauchfelles kommen, die Bauchfellentzündung oder Peritonitis genannt.
Beide Entzündungen sind in den allermeisten Fällen sehr gut zu behandeln, zumeist ist noch nicht einmal ein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig. Im Rahmen Ihres PD-Trainings werden Sie von Ihrem Dialyseteam sehr sorgfältig geschult, um mögliche Komplikationen zu verhindern.

Dialysepatient zu sein, heißt nicht automatisch Anspruch auf eine Pflegestufe zu haben. Pflegegeld ist primär dafür vorgesehen, Patienten finanziell zu unterstützen, wenn Sie als Patient nicht mehr in der Lage sind, die alltäglichen Dinge des Lebens für sich selbst zu tätigen. Beispielsweise selbstständiges Essen, Waschen, Duschen, den Gang zur Toilette oder sich eigenständig anzuziehen.
Die Pflegestufe muss beantragt und amtlich durch den Medizinischen Dienst festgestellt werden. Nur bei einem positiven Bescheid des Medizinischen Dienstes erhalten Sie dann, je nach Grad der Einschränkungen, das entsprechende Pflegegeld.

In den meisten Fällen sind PD-Patienten im berufsfähigen Alter trotz Ihrer Erkrankung weiterhin arbeitsfähig.

Grundsätzlich gilt, jeder der in der Lage ist die Bauchfelldialyse zu erlernen, kann die Methode auch wählen. Das ist vollkommen unabhängig vom Lebensalter und im Gegenteil, häufig zeigt es sich, dass die älteren Patienten die zuverlässigeren Patienten sind. Arbeiten sie doch in aller Regel genauer und folgen den Empfehlungen des Dialysepersonals. Gerade jüngere Patienten sind da etwas „experimentierfreudiger“ und setzen sich dadurch unter Umständen unnötigen Risiken aus.
Viele ältere Patienten empfinden Stolz, dass Sie noch in der Lage sind eine Heimdialyse eigenständig durchzuführen und sich Ihre Selbstständigkeit zu erhalten.

Die Bauchfelldialyse wird in den allermeisten Fällen zuhause durchgeführt. Aber Sie sind nicht alleine. Sie haben jederzeit die Möglichkeit, Kontakt zu Ihrem Dialyseteam aufzunehmen.  Ein großer Vorteil der Peritonealdialyse ist ein gewisses Maß an zeitlicher Flexibilität. Die „sogenannten“ Beutelwechsel (CAPD; Kontinuierlich Ambulante Peritonealdialyse) können auch schon mal um ein, zwei Stunden verschoben werden. Dies gilt ebenso für die APD (Automatisierte Peritonealdialyse), die mit einem sogenannten Cycler durchgeführt wird. Das Alles lernen Sie während Ihres Trainings und Sie können sich jederzeit Rat bei Ihrem behandelnden PD-Team holen.
In vielen Dialysezentren gibt es auch Patientenselbsthilfe-Gruppen, in denen ein reger Austausch stattfindet. Fragen Sie danach.

Sofern Sie körperlich dazu in der Lage sind spricht nichts dagegen. Lediglich bei körperlich sehr anstrengenden Tätigkeiten sollten Sie dies im Vorfeld mit Ihrem PD-Team besprechen. Dies gilt besonders bei sportlichen Betätigungen.

Es gibt keinen Grund Ihre Erkrankung dem Arbeitgeber zu verheimlichen. Die allermeisten Patienten gehen sehr offen damit um und viele Arbeitgeber stellen Ihnen sogar eine Raum oder eine andere Möglichkeit zur Verfügung, wo Sie Ihren Beutelwechsel auch tagsüber durchführen können. Wenn Sie mit der APD-Therapie über Nacht dialysieren, ist Ihr Arbeitsablauf tagsüber ohnehin nicht von Ihrer Erkrankung beeinflusst.

Duschen ist sogar ausdrücklich erwünscht, lediglich in den ersten Wochen nach der Implantation des Katheters wird die Austrittstelle des Katheters während dem Duschen mit einem wasserdichten Verband abgedeckt.  Dies wird im Rahmen des Trainings geschult.
Ist die Austrittstelle völlig reizlos dürfen Sie auch schwimmen oder in die Sauna gehen.
Was es dabei zu beachten gilt wird Ihnen Ihr behandelndes PD-Team gerne mitteilen.

In aller Regel spüren Sie die PD-Lösung und den Katheter nicht in ihrem Bauch. In seltenen Fällen kann es zu leichten Missempfindungen durch das Ende des Katheters im Bauch kommen. Dies ist meist einem leeren Bauch geschuldet, also wenn keine Flüssigkeit in der Bauchhöhle ist. Oft verschwindet diese Symptomatik nach kurzer Zeit. Auch hier gilt, sprechen Sie Ihr PD-Team darauf an.

Die Dauer der PD-Therapie hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Die Qualität Ihrer Bauchfellmembran, eine noch vorhandene Restauscheidung ihrer Nieren, die Einhaltung einer salzarmen Ernährung und auch Ihrer Sorgfalt, mit der Sie die Behandlung durchführen.
Je genauer Sie die geschulten Abläufe des Beutelwechsels, die Hygieneregeln und die Kathteraustrittstelle-Pflege durchführen, umso mehr können Sie selbst dazu beitragen lange mit der Peritonealdialyse behandelt zu werden. Die Peritonealdialyse ist keine zeitlich limitierte Behandlungsmethode.

Bei den meisten PD-Patienten bleibt die Nierenrestfunktion deutlich länger erhalten als bei Hämodialyse-Patienten. Sollte es doch zu einem vollständigen Verlust der Restfunktion der Niere kommen, kann Ihr behandelnder Arzt in den meisten Fällen durch eine Anpassung des Behandlungsregimes die PD-Therapie fortsetzen. Für den Fall sind auch Sie als Patient gefordert, denn dann sollten auch Sie Ihr Trinkverhalten darauf einstellen. Selbstverständlich wird Ihr behandelnder Arzt das im Detail mit Ihnen besprechen.

In den ersten Wochen nach der Katheterimplantation auf jeden Fall und zwar solange bis der Katheter komplikationslos eingeheilt ist. Danach sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt. Ist der Katheteraustritt völlig reizlos, spricht im Prinzip nichts dagegen, keinen Verband zu tragen. Viele Patienten fühlen sich aber wohler, wenn die Stelle mittels eines Verband abgedeckt ist. Grundsätzlich sollten Sie das mit Ihrem PD-Team besprechen.

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