Gut vorbereitet auf die Dialysetherapie - ein wesentlicher Beitrag zu Therapieerfolg und Lebensqualität

Der Beginn einer Nierenersatztherapie beinhaltet eine Lebensumstellung, die häufig mit Verunsicherung und vielen offenen Fragen einhergeht. Eine ausführliche Beratung und Schulung kann wichtige Informationen vermitteln und Sicherheit schaffen. Sie als Patient werden aktiv in den Entscheidungsprozess, welches Verfahren für Sie in Frage kommt, einbezogen. Wichtige Fragen, die in Patientenschulungen beantwortet werden, umfassen z. B.:

  • Wie wirkt sich die Erkrankung auf meinen Körper aus?
  • Welche Behandlungen stehen für mich zur Verfügung?
  • Mit welcher Behandlungsmethode habe ich die besten Überlebenschancen?
  • Wie beeinflusst die Erkrankung meinen Lebensalltag und meine Familie?


Im Praxisalltag kommt diese entscheidende Phase jedoch häufig viel zu kurz.So berichten der ehemalige Chefarzt Hendrik Witsch und Yvonne Kohlase vom Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels bei der 22. Dialysefachtagung am 3. Mai 2013 in Erfurt, dass pro Jahr ca. 17.000 Patienten mit einer Dialysetherapie beginnen; geschult werden aber nur ca. 1.600 Patienten pro Jahr. Patientenschulungen beinhalten häufig folgende Elemente:

  • Information durch Ärzte und Pflegekräfte
  • Einzel- und Gruppenberatungen
  • Austausch mit anderen Dialysepatienten
  • Besuch eines Dialysezentrums


Als Einstiegstherapie hervorragend geeignet: Die Peritonealdialyse (PD) bietet viele Vorteile, die unterschiedliche Patientengruppen auch in fortgeschrittenem Alter nutzen können. Unter den älteren Patienten kommt die PD für 64–75 %, also für mehr als jeden zweiten Patienten in Frage. Vorteile der Peritonealdialyse als Einstiegsverfahren:

  • Da die PD im gewohnten Umfeld durchgeführt werden kann, entfällt die Behandlung im Zentrum 3x/Woche.
  • Viele niereninsuffiziente Patienten erleben nach Start der PD eine deutliche Steigerung ihres Wohlbefindens und damit eine höhere Lebensqualität.
  • Längerer Erhalt der Restausscheidung der Nieren.
  • Die kontinuierliche Entgiftung schont das Herz-Kreislauf-System. (Der Gefäßzugang für die Hämodialyse [HD] belastet das Herz-Kreislauf-System.)
  • PD-Patienten müssen ihre Essgewohnheiten und Trinkmengen weniger stark anpassen als Hämodialysepatienten.
  • Während der ersten Behandlungsjahre besitzen PD-Patienten bessere Überlebenschancen als HD-Patienten.


PD auch im Dialysezentrum möglich

Bei fehlender Unterstützung zuhause oder eingeschränkten Fähigkeiten wie abnehmender Sehkraft können ältere Patienten auch die assistierte PD oder die intermittierende PD im Dialysezentrum nutzen. Bei der assistierten PD erhalten Sie zuhause Unterstützung durch entsprechend geschultesPflegepersonal (z. B. beim Beutelwechsel). Die intermittierende PD erfolgt hingegen im Dialysezentrum. Sie eignet sich z. B. als Einstiegsverfahren (Trainingsdialyse), bei Problemen mit der PD zuhause oder z. B. bei Leckagen und für Patienten mit dem sog. kardiorenalen Syndrom (Patienten mit Herzschwäche, die ein akutes Nierenversagen entwickeln) oder Lebererkrankungen mit Aszites (Wasseransammlung im Bauch). Der damalige Chefarzt Hendrik Witsch und Yvonne Kohlase haben die Erfahrung gemacht, dass die PD bei den unterschiedlichsten Patienten – jeden Alters, mit und ohne Familie, zuhause, im Altenheim oder Dialysezentrum, mit Voroperationen oder Begleiterkrankungen– mit Erfolg durchgeführt werden kann. Sie berichten z. B. von einer 80-jährigen Patientin mit Diabetes mellitus und Übergewicht. Die Patientin ist seit ihrer Kindheit gehörlos. Um die Tonsignale des Dialysegeräts wahrnehmen zu können, erhielt sie einen Akustikumwandler. Durch ein ausführliches Training mit Schulung von Patient und Personal, Hausbesuch von Arzt und Pflegekraft vor der Platzierung des Katheters und während der Heimdialyse, können Ängste und Vorurteile beseitigt werden. Die anfängliche Skepsis, die viele Patienten haben, legt sich schnell – spätestens, wenn sie sehen, wie andere Patienten ihre Dialysebehandlung vollständig ohne fremde Hilfe durchführen. Erfahrene Patienten vertreten häufig die Auffassung, dass viel mehr Patienten vonder Heimdialyse Gebrauch machen würden, wenn sie über die Vorteile dieser Verfahren in Kenntnis gesetzt würden.

 

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