Peritonealdialyse als Einstieg – Vorteile aus Patientensicht

Der Beginn einer Dialysebehandlung stellt für viele Patienten einen tiefen Einschnitt dar, obwohl es durchaus Behandlungsmöglichkeiten gibt, die die Lebensqualität weniger einschränken. Bei der Wahl des geeigneten Dialyseverfahrens spielen neben medizinischen Aspekten die Möglichkeiten zur Mit- und Selbstbestimmung sowie Auswirkungen auf die Lebensqualität eine große Rolle. Gerade im Hinblick auf persönliche Freiräume und Lebensqualität kann ein Einstieg mit der Peritonealdialyse viele Vorteile bringen.

Dialyseverfahren

Als Dialyseverfahren stehen Patienten die Peritonealdialyse (PD) und die Hämodialyse (HD) zur Verfügung. Bei der HD erfolgt die Behandlung meist im Dialysezentrum; nur ein geringer Anteil der Patienten führt die HD zuhause durch (Heimhämodialyse, HHD). Im Gegensatz dazu erfolgt die PD überwiegend zuhause. Patienten,
die dies z. B. aufgrund eines eingeschränkten Sehvermögens nicht alleine bewältigen können, erhalten Hilfestellung von Angehörigen oder Pflegekräften (assistierte PD). Bei einigen Patienten wird die PD auch im Zentrum durchgeführt. Man spricht dann von einer intermittierenden Peritonealdialyse (IPD).

Aus medizinischer Sicht sprechen folgende Punkte für einen Dialysestart mit der Peritonealdialyse:1, 2

  • Nierenrestfunktion bleibt länger erhalten
  • Besonders in den ersten Jahren besseres Überleben
  • Kontinuierliche Entgiftung mit geringeren Schwankungen des Wasser- und Salzhaushalts
  • Geringere Einschränkungen der Ess- und Trinkgewohnheiten
  • Durchführung der Dialyse im häuslichen Umfeld
  • Größere Selbständigkeit und bessere Lebensqualität
  • Kein Gefäßzugang (Shunt oder zentraler Venenkatheter) erforderlich
  • Keine Belastung von Herz und Kreislauf durch den Shunt


Über alle Möglichkeiten informieren

Schon bei der Information über die unterschiedlichen Behandlungsverfahren herrschen große Unterschiede. In einer europaweiten Befragung zeigte sich die Mehrheit der deutschen Patienten zufrieden mit den Informationen zu HD und Transplantation, während die Informationen zu PD und Heimhämodialyse unbefriedigend waren.3 Auch auf die Frage „Wurden Sie zu Beginn Ihrer Dialysebehandlung über die verschiedenen Dialyseverfahren aufgeklärt, auch über die Möglichkeiten zum Wechsel zwischen den Behandlungsverfahren?“ antworteten 36 % der Befragten mit „Nein“. Ein Wechsel könnte aber für einige Patienten durchaus in Betracht kommen. Beispielsweise nutzen viele Patienten zunächst die Vorteile der PD als Heimdialyseverfahren und wechseln dann, wenn z. B. die Filterfunktion des Bauchfells nachlässt, zur HD.

Vorteile der PD als Startverfahren

Neben den medizinischen Gesichtspunkten spielen bei der Entscheidung über ein Dialyseverfahren auch persönliche Kriterien eine Rolle: Wie wirkt sich die Dialyse auf mein Privat- und Berufsleben aus? Was traue ich mir zu? Gerade bei persönlicher Unsicherheit kommt umfassenden Informationsmöglichkeiten und Einblicken in die praktische Umsetzung – z. B. durch Gespräche mit Pflegekräften oder erfahrenen Patienten – eine große Bedeutung zu. Mittlerweile gibt es auch einige Untersuchungen zum Einfluss verschiedener Dialyseverfahren auf wichtige Aspekte, beispielsweise:

  • Geistige Fähigkeiten: Fachleute sprechen auch von kognitiven Fähigkeiten; dazu zählen z. B. Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernen, Planen und Orientierung
  • Berufstätigkeit
  • Ergebnisse einer späteren Transplantation
  • Lebenserwartung


Ein aktueller Vergleich zwischen PD- und HD-Patienten aus Deutschland zeigte für PD-Patienten bessere kognitive Funktionen, eine höhere Zufriedenheit und Selbständigkeit sowie eine stärkere Beteiligung an der Entscheidung über das Dialyseverfahren.4

Der Beginn einer PD geht für viele Patienten mit einem weniger tiefen Einschnitt in ihren Alltag einher, da sie die PD leichter mit ihrer Berufstätigkeit verbinden können als HD-Patienten, die eine Zentrumsdialyse durchführen.5, 6 Gerade jüngere Patienten können sich häufig gar nicht vorstellen, aufgrund ihrer Nierenerkrankung nicht mehr zu arbeiten. Hierbei spielen nicht nur finanzielle Aspekte eine Rolle, sondern auch der Kontakt zu Kollegen und berufliche Herausforderungen. Berufstätige PDPatienten können nachts eine automatisierte Peritonealdialyse (APD) oder tagsüber Beutelwechsel am Arbeitsplatz durchführen (kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse, CAPD). Viele Patienten können so die PD in den Berufsalltag einbauen und sind damit sehr zufrieden.

Eine neue Untersuchung zeigte eindrucksvoll, dass sich die PD positiv auf eine nachfolgende Nierentransplantation auswirken kann. Nach einer Nierentransplantation nimmt das Spenderorgan seine Tätigkeit in einigen Fällen verspätet auf (verzögerte Transplantatfunktion). Bei Patienten, die vor der Transplantation eine PD durchgeführt haben, tritt dies deutlich seltener auf als bei HD-Patienten.7

Deutliche Verbesserungen haben sich in den letzten Jahren auch für die Lebenserwartungen von PD-Patienten ergeben. Die Fortschritte für HD-Patienten fielen hingegen geringer aus.8

Aktiv mitentscheiden

Angesichts der großen Auswirkungen einer Dialysebehandlung auf den Alltag der Patienten und ihrer Angehörigen hat eine fürsorgliche und gemeinsame Entscheidungsfindung zum geeigneten Dialyseverfahren einen hohen Stellenwert. Der Fachbegriff dafür lautet Shared Decision Making und beinhaltet eine gemeinsame Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung medizinischer Aspekte sowie der beruflichen und privaten Situation des Patienten. Ausführliche Informationen, Schulung und Möglichkeiten zum Austausch z. B. mit Pflegekräften und Patienten beeinflussen – wie man aus Studien weiß – letztlich auch die Entscheidungen. Gut informierte Patienten fühlen sich
sicherer und wählen eher Heimdialyseverfahren (PD oder HHD) als Patienten ohne ausführliche Beratung.9

Fazit

Eine umfassende Beratung zu Dialyseverfahren berücksichtigt auch die Peritonealdialyse und die Heimhämodialyse. Für den Beginn der Dialyse mit der PD konnten Vorteile wie bessere kognitive Fähigkeiten und eine längere Lebenserwartung wissenschaftlich belegt werden. Eine gemeinsame Entscheidungsfindung sowie die Schulung und Begleitung durch das Dialysezentrum erleichtern die Auswahl des geeigneten Dialyseverfahrens und geben bei der Entscheidung für ein Heimdialyseverfahren die erforderliche Unterstützung und Sicherheit.

  1. Haag-Weber M. Dial Akt 20 (9): 455–459, 2016.
  2. Fußhöller A. Dial Akt 20 (7): 346–350, 2016.
  3. Bundesverband Niere e.V. CEAPIR-Patientenbefragung in Europa.
    www.bundesverband-niere.de/bundesverband/infomaterial-downloads/ceapirpatientenbefragung-in-europa.html, abgerufen am 19.06.2018.
  4. Robinski M, Mau W, Wienke A et al. Nephrol Dial Transplant 32 (2): 315–324, 2017.
  5. Van Manen JG, Korevaar JC, Dekker FW et al. Perit Dial Int 21 (6): 595–601, 2001.
  6. Helanterä I, Haapio M, Koskinen P et al. Am J Kidney Dis 59 (5): 700–706, 2012.
  7. Joachim E, Gardezi AI, Chan MR et al. Perit Dial Int 37 (3): 259–265, 2017.
  8. Van de Luijtgaarden MW, Jager KJ, Segelmark M et al. Nephrol Dial Transplant 31 (1): 120–128, 2016.
  9. Prieto-Velasco M, Quiros P, Remon C. PLoS On e 10 (19): e0138811, 2015.

 

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