Wie beurteilen Dialysepatienten ihre Nierenersatztherapie?

Ergebnisse der europaweiten Umfrage unter Dialysepatienten.

Die von der europäischen Vereinigung der Nierenpatienten (CEAPIR) durchgeführte Umfrage zeigt für Patienten, die eine Nierenersatztherapie benötigen, deutliche Verbesserungsmöglichkeiten.
Handlungsbedarf besteht insbesondere bezüglich Patientenbeteiligung und -information sowie unterstützenden Angeboten. An der Patientenbefragung, beteiligten sich 3867 Patienten aus 13 europäischen Ländern. Die Ergebnisse wurden im April 2012 dem Europäischen Parlament in Brüssel vorgestellt.

Wie gut werden Dialysepatienten über Behandlungsmöglichkeiten informiert und an Entscheidungen beteiligt?

In Deutschland ist zwar der überwiegende Teil der Patienten (79 %) mit ihrer Behandlung sehrzufrieden, aber nur knapp die Hälfte der Patienten (47 %) gab an, an der Auswahl des Dialyseverfahrens aktiv beteiligt gewesen zu sein. Ein Drittel der Patienten betrachtete sich bei dieser grundlegenden Entscheidung als nicht beteiligt.

Alternative Dialyseverfahren und auch der Wechsel zwischen unterschiedlichen Behandlungsoptionen wurden mit 57 % der deutschen Patienten besprochen, 36 % erhielten diese Informationen aber nicht. Das heisst, 36% der Patienten antworteten mit „Nein“ auf die Frage „Wurden Sie zu Beginn Ihrer Dialyse über die verschiedenen Dialyseverfahren aufgeklärt, auch über die Möglichkeiten zum Wechsel zwischen den Behandlungsverfahren?“

Mit den Informationen zu Transplantation und Hämodialyse (HD) war die überwiegende Mehrheit der Patienten (89 %) zufrieden. Zu Heimdialyseverfahren (Peritonealdialyse und Heimhämodialyse) erhielten hingegen weit weniger Patienten (59 %) ausreichende Informationen. Etwa ein Drittel der Patienten wurde gar nicht über die Möglichkeiten der Peritonealdialyse (PD) und Heimhämodialyse (HHD) in Kenntnis gesetzt.

Mit den Informationen zur PD zeigte sich nur etwas mehr als die Hälfte der Patienten (52 %) sehr zufrieden.  Noch schlechter beurteilten deutsche Patienten ihren Informationsstand zur Heimhämodialyse: Nur knapp 46 % der Patienten bewerteten die Informationen als sehr zufriedenstellend.

Dialysepatienten erhalten zu wenig Hilfsangebote.

Im europäischen Vergleich schnitten deutsche Dialysepatienten bezüglich Beratungen und Schulungen, die ihnen helfen ihre Erkrankung im Alltag besser zu bewältigen, am schlechtesten ab. Nur 16 % der deutschen Patienten erhielten Hilfestellungen wie psychosoziale Unterstützung oder Ernährungsberatung.

Ganz anders ist z. B. die Situation in Finnland: Dort konnten 73 % der Patienten derartige Angebote in Anspruch nehmen. Ein wesentlicher Grund für die unzureichende Versorgung deutscher Patienten mit Hilfs- und Unterstützungsleistungen liegt im deutschen Abrechnungssystem. Hier setzen sich die Patientenverbände für eine Veränderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen ein.

 

zurück zu Thema des Monats