Assistierte Peritonealdialyse: Mit Unterstützung die Vorteile der PD nutzen

Für ältere Patienten oder Patienten mit Begleiterkrankungen, die eine selbstständige Durchführung der PD erschweren, stellt die assistierte PD eine sehr gute Alternative dar. Denn gerade für diese Patienten bietet die PD im Vergleich zur Hämodialyse(HD) Vorteile:1,2

  • Kein Gefäßzugang (Shunt oder zentralvenöser Dialysekatheter) erforderlich
  • Langsame, schonende Entwässerung und Entgiftung
  • Höhere Kreislaufstabilität
  • Weniger Herzrhythmusstörungen
  • Kein Transport zum Dialysezentrum
  • Höhere Lebensqualität
  • Geringere Einschränkung von Ess- und Trinkgewohnheiten

Gegenüber HD-Patienten zeigten PD-Patienten in einer aktuellen Untersuchung auch eine größere Zufriedenheit mit der Dialysebehandlung.3

Was bedeutet assistierte Peritonealdialyse?

Assistierte Peritonealdialyse bedeutet, dass Patienten, die nicht in der Lage sind, die PD selbstständig durchzuführen, Unterstützung erhalten. Assistieren können Familienangehörige, Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten oder Pflegekräfte in einem Seniorenheim. Manche Patienten benötigen auch nur vorübergehend Hilfe, z. B. bei akuten zusätzlichen Erkrankungen. Prof. Dr. Marianne Haag-Weber beschreibt in der Zeitschrift „Dialyse aktuell‘ z. B. den Fall einer 75-jährigen Patientin, deren Nierenfunktion sich akut verschlechterte. Der Patientin ging es so schlecht, dass sie sich im Krankenhaus nicht selbst versorgen konnte. Die Patientin war schon vorher für die PD vorgesehen gewesen, so dass im Krankenhaus mit der PD begonnen wurde. Nach 4 Wochen, in denen ihr bei der Durchführung der PD geholfen wurde, ging es der Patientin viel besser, so dass sie an einer Schulung teilnahm. Anschließend war sie stolz, die PD alleine durchführen zu können.1

Für wen eignet sich die assistierte PD besonders?

Viele Patienten entscheiden sich nicht für die PD, weil sie Bedenken oder Angst haben, die Dialyse zuhause selbstständig durchzuführen. Manche fühlen sich körperlich zu schwach oder ihre Geschicklichkeit, Sehkraft oder geistigen Fähigkeiten haben nachgelassen. Diese Einschränkungen können durch die Hilfe geschulter Pflegekräfte oder Angehöriger ausgeglichen werden. In Regionen, in denen eine assistierte PD angeboten wird, entscheiden sich deutlich mehr Patienten für die PD.4

Eine gute Alternative stellt die assistierte PD auch für folgende Patientengruppen dar:

  • Patienten, bei denen kein geeigneter Gefäßzugang für die HD angelegt werden kann
  • Patienten mit starken Kreislaufproblemen während der HD
  • Patienten mit freier Flüssigkeit im Bauchraum (Aszites) infolge von Lebererkrankungen5
  • Patienten mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz)5

Gute Organisation ist gefragt

Bei der Organisation der assistierten PD spielt die Schulung von Angehörigen und/oder Pflegepersonal, die meist durch das Dialysezentrum durchgeführt wird, eine wichtige Rolle. Damit auch bei eventuellen Aufenthalten im Krankenhaus, in Reha und Pflegeeinrichtungen eine reibungslose Durchführung der PD gewährleistet ist, müssen immer Einrichtungen ausgewählt werden, die eine PD-Versorgung anbieten. Wenn alle Abläufe gut etabliert sind, können mit der assistierten PD auch Patienten mit stärkeren gesundheitlichen Einschränkungen alle Vorteile der PD im gewohnten häuslichen Umfeld nutzen.

 

1 Haag-Weber M: Assistierte Peritonealdialyse. Auch für ältere Patienten geeignet. Dial akt 13 (8):434–440, 2009
2 Quack I: Vortrag anlässlich der PD University, Düsseldorf, 23.–25. November 2015
3 Iyasere OU, Brown EA, Johansson L et al.: Quality of life and physical function in older patients on dialysis: a comparison of assisted peritoneal dialysis with hemodialysis. Clin J Am Soc Nephrol 11 (3): 423–430, 2016
4 Oliver MJ, Garg AX, Blake PG et al.: Impact of contraindications, barriers to self-care and support on
incident peritoneal dialysis utilization. Nephrol Dial Transplant 25 (8): 2737–2744, 2010
5 Schwenger V, Remppis BA, Westenfeld R et al.: Dialyse- und Ultrafiltrationsverfahren bei kardiorenalem Syndrom Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft „Herz – Niere“ der Deutschen Gesellschaftfür Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.

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