Bauchfelldialyse - Auch nach Jahren HD noch möglich

Immer wieder gibt es Patienten, bei denen viele Ärzte sagen würden: „PD? Ausgeschlossen!“ Die Erfahrung zeigt aber, dass in den allermeisten Fällen die Peritonealdialyse eingesetzt werden kann – hier liegt es am jeweiligen PD-Team, kreative Lösungen für individuelle Probleme zu finden. So war es auch bei Birgit Merker (49) aus Hoyerswerda.

Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen), beidseitiges Nierenversagen, Dialysepflicht – und das mit 21 Jahren, kurz nach der Geburt ihres Sohnes. Die Diagnose traf Birgit Merker 1983 wie ein Schlag: „Von jetzt auf gleich war alles anders.“ Sie kam direkt an die Hämodialyse – für die Patientin heute verbunden mit sehr unschönen Erinnerungen. „Die Kapillaren wurden teilweise nur mit Wasser ausgewaschen und dann für den nächsten Patienten wiederverwendet. Infektionen konnten sich so rasend schnell ausbreiten, viele meiner Mitpatienten hatten Hepatitis(Gelbsucht). Außerdem hatte ich das Gefühl, dass da nur so Pi mal Daumen dialysiert wurde.“ Häufig hatte sie nach den HD-Sitzungen mit Kreislaufbeschwerden zu kämpfen.

Das einzig Gute: Als junge Mutter hatte die Patientin in der ehemaligen DDR Priorität und stand auf der Transplantationsliste ganz oben. Bereits nach einem Jahr konnte ihr ein Spenderorgan transplantiert werden – mit diesem lebte sie dann 16 Jahre lang. „Die Niere hat im Jahr 2000 dann leider aufgegeben und ich musste wieder dialysieren.“ Wie damals war die Hämodialyse wieder die Therapie der Wahl.

In ihrer zweiten HD-Periode (2000–2008) waren die technisch-hygienischen Aspekte natürlich um Längen besser, körperlich allerdings gab es wieder viele Probleme. „Manchmal wusste ich nicht mehr, wie ich nach der Dialyse nach Hause gekommen bin“, beschreibt Birgit Merker ihre Kreislaufprobleme nach den HD-Sitzungen. „Mein Blutdruck lag teilweise bei 60/40 und mir ging es einfach richtig schlecht.“ Doch das war nicht das einzige Problem: Mit insgesamt 18 Shuntverschlüssen in 8 Jahren Dialysezeit war für die Patientin ein fast unerträgliches Maß an Komplikationen erreicht. „Ich wusste wohl, dass es die Möglichkeit gibt, Bauchfelldialyse zu machen. Die Ärzte in meinem Nierenzentrum hatten mir aber immer gesagt, das ginge bei mir nicht, weil ich wegen der Transplantation zu viele Verwachsungen im Bauchraum hatte.“

Ein nicht seltener Einwand. Auch eine Umstellung von HD auf PD wird von allzu vielen Ärzten auch heute noch kritisch gesehen – dabei beweisen Studien und Patientenbeispiele das Gegenteil. Auch der Expertenrat der Europäischen Nierengesellschaft sagt in seinen aktuellen Therapieempfehlungen ganz klar: Für individuelle Probleme sollten immer kreative Lösungen gefunden werden, das ist Aufgabe des PD-Teams.

Bei Birgit Merker war es dann auch so: „Mein Glück war ein neuer Arzt, der im Nierenzentrum anfing. Der sah mich und ihm war klar, dass es so eigentlich nicht weitergehen konnte.“ Der neue Arzt war bereit, es mit der Bauchfelldialyse zu probieren –wegen des schlechten Allgemeinzustandes und der vielen HD-bedingten Komplikationen. Einige der Verwachsungen im Bauchraum wurden daraufhin in einer Operation beseitigt und dann der PD-Katheter implantiert. Die manuelle PD – vier Beutelwechsel täglich – war für die Patientin keine ideale Lösung. Nach einer Woche hatten sich 10 Liter Wasser im Körper angesammelt. Durch Umstellung auf einen Cycler und damit die nächtliche, maschinengestützte Peritonealdialyse (jeweils 9 Stunden pro Nacht) zeigte sich aber Besserung und die Ödeme verschwanden.

„Ich war so froh, dass ich auch nicht mehr diese extremen Kreislaufschwankungen wie bei der Hämodialyse hatte“, blickt Birgit Merker zurück. Auch die Flüssigkeitsaufnahme, die im Vergleich zur HD unter der PD weniger streng begrenzt werden musste, wirkt sich positiv aus. Nach vielen Jahren auf der Warteliste hofft sie jetzt auf eine baldige erneute Nierentransplantation. „Kein Vergleich zu früher“, beschreibt Birgit Merker ihren jetzigen Zustand. „Ich kann wieder fast normal am Alltag und besonders am Familienleben teilnehmen.“ Das freut sie sehr: „Alleine wäre es für mich sehr schwierig, aber die Familie steht hinter mir und unterstützt mich wo es geht.“ Das gilt auch für die beiden Enkel (2 und 6): „Für sie ist die Dialyse ganz normal und gehört zu mir. Wenn sie mich besuchen und ich gerade dialysiere wissen sie ganz genau, dass die Oma ‘am Schlauch’ hängt und sie dann eben ein bisschen vorsichtig sein müssen.“

 

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