„PD – das kann eigentlich jeder!“

Seit fünf Jahren behandelt das Dialysezentrum Zwickau Patienten mit Peritonealdialyse. Die Ärzte des Zentrums sind überzeugt: PD kann für jeden geeignet sein. Der jüngste Patient ist 37, die älteste 86 Jahre alt.

Am 01. Oktober 1993 wurde in der Hilfegottesschachtstraße 3 in Zwickau eine Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin mit Dialysezentrum gegründet. Anfangs lag der Fokus noch klar auf der Hämodialyse: Hierfür standen damals 17 Dialyseplätze für insgesamt 55 Patienten zur Verfügung. Im Laufe der Jahre stieg die Zahl der Patienten ständig an, so dass ein Umzug im April 2002 in größere Behandlungsräume notwendig wurde. Aktuell werden rund 210 Hämodialysepatienten an 57  Dialyseplätzen  behandelt. Im April 2005 wurde die Bauchfelldialyse als Heimverfahren etabliert. Derzeit nutzen dieses Verfahren 31 Patienten. Das Dialysezentrum Zwickau zählt somit zu den größten Bauchfelldialyse-Zentren Sachsens und Thüringens.

Dipl.-Med. Heike Martin, die seit 1999 im Dialysezentrum Zwickau tätig ist, achtet besonders auf eine gründliche Aufklärung ihrer Patienten: „Jeder Patient, bei dem der GFR-Wert unter 20 liegt, wird bei uns zu einer Patientenveranstaltung eingeladen.“ Dabei erläutern eine Schwester und je ein PD- und ein HD-Patient den Patienten die verschiedenen Therapieverfahren und legen Wert darauf, objektiv aufzuklären ohne Angst zu machen. „Wenn ein Patient z. B. im Krankenhaus immer nur von der Peritonitis-Gefahr bei PD hört, bekommt er natürlich Angst und entschließt sich im Zweifelsfall gegen diese Therapieoption.“ Das Risiko häufiger Shuntverschlüsse und die Gefahr von Infektionen des Shunts oder der Katheter bei der HD werde dagegen häufig nicht so prominent herausgestellt. Einige der über 90 PD-Patienten, die das Dialysezentrum in den letzten zehn Jahren behandelt hat, seien zunächst HD-Patienten gewesen, denen man im Krankenhaus fast keine Wahl gelassen habe. „Nach wiederholten Shuntproblemen sind sie dann aber zur PD gewechselt und kommen gut damit zurecht.“

Nur etwa 5% aller Dialysepatienten in Deutschland nutzen derzeit die PD – viel weniger als im europäischen Ausland. Damit sich das in Deutschland ändert, müsste einiges passieren, so Heike Martin. „Zunächst einmal müssten sich die Aufklärungsgespräche über PD  verbessern. Viele Ärzte kennen sich mit der PD nicht genau aus oder haben bestimmte Vorurteile im Kopf.“ Dieses Problem packen die Zwickauer Dialyseexperten ganz praktisch an: Als Hospitationszentrum stehen sie Kollegen und Dialyseschwestern für Fortbildungen zur Verfügung und auch sonst mit Rat und Tat zur Seite.
„Viele Kollegen sind überrascht, wer hier bei uns alles PD-Patient ist“, erklärt Heike Martin. „Einige unserer Patienten wären wohl woanders als nicht PD-tauglich eingestuft worden“, und spielt damit u. a. auf das Alter ihrer betagtesten Patientin an: 86 Jahre! Doch im Dialysezentrum Zwickau gilt: PD kann eigentlich jeder, der ein Mindestmaß an Zuverlässigkeit mitbringt. PD-Neulingen oder Patienten, die sich erst noch für eine Therapieform entscheiden müssen, werden in einer Art Partnerprogramm „erfahrene“ PD- Patienten in einer ähnlichen Lebenssituation zur Seite gestellt, die ihnen bei Fragen und Problemen helfen. Überhaupt spielt der Austausch zwischen den PD-Patienten eine große Rolle – durch regelmäßige Treffen ist ein richtiges Gruppengefühl entstanden.

 

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