Individuelle Peritonealdialyse - Ihren Bedürfnissen angepasst

Die moderne Peritonealdialyse (PD, Bauchfelldialyse) bietet vielen Patienten Behandlungsmöglichkeiten – angepasst an ihre persönlichen Voraussetzungen. Die unterschiedlichen PD-Verfahren, die im häuslichen Umfeld durchgeführt werden, bedeuten für die Patienten z. B. mehr Unabhängigkeit, mehr Zeit für Familie und Beruf, eine kontinuierliche Entgiftung und geringere Einschränkungen von Ess- und Trinkgewohnheiten.

Bei der kontinuierlichen ambulanten Peritonealdialyse (CAPD) übernehmen die Patienten den Wechsel der Dialyseflüssigkeit: Meist 4-mal am Tag lassen die Patienten eine Dialyselösung über den PD-Katheter in die Bauchhöhle fließen. Die Dialyselösung bleibt einige Stunden im Bauchraum und wird dann wieder abgelassen. Die automatisierte Peritonealdialyse (APD) zeichnet sich dadurch aus, dass der Wechsel der Dialyselösung durch ein Dialysegerät, den sog. Cycler, erfolgt. Die Dialyse kann nachts während des Schlafes durchgeführt werden, so dass man tagsüber ungebunden Arbeit und Freizeitaktivitäten nachgehen kann. Für Patienten, die ihre PD nicht selbstständig durchführen können, stellt die assistierte PD eine Alternative dar. Geschulte Pflegekräfte oder Angehörige helfen dann bei der Durchführung der PD zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung. Sowohl bei der Auswahl des geeigneten Dialyseverfahrens als auch bei der Durchführung können die Erfahrungen anderer Patienten hilfreich sein. Wir haben mit zwei Patienten gesprochen, die die CAPD bzw. APD anwenden und ihre Erfahrungen schildern.

Kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse in den Alltag einbauen

Seit Oktober 2015 ist Sabine Walker dialysepflichtig. Die gelernte Arzthelferin ist 53 Jahre alt, verheiratet und arbeitet in einem Schreibwarengeschäft. Sie weiß schon lange, dass sie wie ihre Mutter und ihr Großvater unter Zystennieren leidet. 2007 wurde bei ihr erstmals ein erhöhter Kreatinin Wert festgestellt. Durch strenges Einhalten der Ernährungsempfehlungen für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion konnte Frau Walker weitere 7 Jahre ohne Dialyse auskommen. Ihr Mann spendete ihr dann eine Niere, die aber nur 2 Jahre funktionstüchtig blieb. Besonders schwer fiel es Sabine Walker, ihrem Mann die schlechten Nachrichten mitzuteilen. Mit der CAPD erhielt Frau Walker, die heute vom PD-Team der Universitätsklinik Tübingen betreut wird, eine neue Perspektive.

Frau Walker, wie lief Ihre Entscheidung für die Peritonealdialyse nach diesen schwierigen Vorerfahrungen ab?

Man hat mir die Bauchfelldialyse erklärt und ich habe mich dann innerhalb von 4 Tagen entschieden, mich operieren zu lassen, um den Katheter einzusetzen. Die Hämodialyse (HD), die ich als Kind bei meinem Opa erlebt habe, kam für mich gar nicht in Frage. Heute ist die Entwicklung sicherlich viel weiter, aber allein die Behandlungszeit ist heftig und manchen Patienten geht es dabei schlecht. Die Bauchfelldialyse, toi, toi, toi, hat von Anfang an super funktioniert. Anfangs war das aber auch alles Neuland und ich musste mich erst in die neue Situation einleben.

Wie lief der Übergang vom Krankenhaus, wo der Katheter angelegt wurde, zur Heimdialyse bei Ihnen ab?

Ich wurde zunächst im Universitätsklinikum Tübingen geschult. Am Tag meiner Entlassung ist nachmittags ein Pfleger gekommen und hat mich bei meiner ersten Dialyse begleitet. Er hat sich die Abläufe nochmal angesehen.

Wie laufen die Beutelwechsel bei der CAPD ab?

Vor dem Anschließen muss man einen Mundschutz anziehen und die Hände desinfizieren. Nach dem Auslaufen des alten Dialysats kann der Einlauf der neuen Dialyselösung beginnen. Die Dialyselösung muss Körpertemperatur haben, sonst ist der Einlauf unangenehm. Der Aus- und Einlauf dauern jeweils etwa 10 Minuten. Jeden zweiten Tag muss man aus Hygienegründen den Verband wechseln. Insgesamt ist die Behandlung sehr unkompliziert.

Wie sieht jetzt Ihr normaler Tagesablauf aus?

Wenn ich arbeiten gehe, muss ich vorher meinen Beutelwechsel machen. Dafür stehe ich 45 Minuten früher auf, dann klappt alles gut. Mittags – ich habe im Geschäft keine Möglichkeit, die Dialyselösung zu wechseln – habe ich um 12.30 Uhr Feierabend. Meinen Beutelwechsel mache ich dann um 13.00 Uhr zuhause. Dort habe ich meine festen Abläufe, unterwegs können schon eher Probleme auftreten. Beispielsweise ging bei einem Aufenthalt in Köln im Hotel nach Verlassen des Zimmers der Strom aus. Mittags nach der Rückkehr aus der Stadt war dann die Wärmeplatte ausgegangen und wir mussten anderthalb Stunden warten, bis die Lösung warm und eingelaufen war. Das letzte Mal waren wir für 5 Tage in einer Ferienwohnung. Dort hatte ich mehr Platz und alles lief viel ruhiger ab.

Wie sieht jetzt die Betreuung seitens des Dialysezentrums aus? Wie häufig haben Sie Kontakt?

Am Anfang musste ich alle 14 Tage ins Zentrum, bis das Wasser draußen war, das ich eingelagert hatte. In dieser Zeit habe ich auch 4-mal täglich dialysieren müssen. Nachdem ich 16 kg an Wasser verloren hatte, brauchte ich nur noch 3 Wechsel pro Tag. Das klappt jetzt wunderbar und ich fahre nur noch alle 6 Wochen ins Dialysezentrum. [Anm. des Dialysezentrums: Den Patienten steht rund um die Uhr eine telefonische Betreuung zur Verfügung.]

Würden Sie anderen Patienten die CAPD als Dialyseverfahren empfehlen?

Ich würde mich immer wieder für dieses Dialyseverfahren entscheiden. Mir geht es jetzt so gut und ich bin hochzufrieden. Und noch einen Tipp für andere Betroffene: Man muss es annehmen, dann klappt es auch. Hilfreich ist ein entspanntes Herangehen. Vor allem in der halben Stunde, in der man den Wechsel durchführt, braucht man Ruhe.

Mit der automatisierten Peritonealdialyse mitten im Leben

Michael Heesen arbeitet in der IT-Branche und man merkt ihm nicht an, dass er seit November 2010 aufgrund einer Autoimmunerkrankung eine Nierenersatztherapie durchführt. Der heute 55-Jährige entschied sich damals für die Peritonealdialyse (PD) als Heimdialyseverfahren – genauer gesagt für die automatisierte Peritonealdialyse (APD), um weiterhin voll berufstätig sein zu können.

Herr Heesen, Sie führen eine APD durch. Wie lief der Übergang zur Heimdialyse bei Ihnen ab?

Ich mache von Anfang an Heimdialyse. Die PD-Schulung erfolgte im Krankenhaus, wo ich zunächst manuelle Beutelwechsel durchgeführt habe. Die Mitarbeiter meines betreuenden Dialysezentrums legen Wert darauf, dass man dieses Verfahren zunächst kennenlernt, damit man immer einen ‚Notbetrieb‘ durchführen kann. Nach 6–8 Wochen mit manuellen Wechseln habe ich zur Cycler-Variante gewechselt. Ich habe an einer Schulung im Dialysezentrum teilgenommen und eine Schwester war auch bei mir zuhause, seit Ende 2010 führe ich die APD durch.

Warum haben Sie sich für die APD entschieden?

Weil ich voll berufstätig bin und damit die Dialyse in die Nacht verschieben kann. Wegen der Dialyse nicht mehr zu arbeiten wäre für mich keine Option.

Sie führen Ihre Dialysebehandlung täglich durch, was der natürlichen Nierenfunktion ja sehr nahe kommt. Wie läuft Ihre Dialysebehandlung genau ab?

Aktuell habe ich eine Cyclerzeit von 9 Stunden. Ich bereite die Dialyse irgendwann abends vor und wenn ich ins Bett gehe, schließe ich mich an den Cycler an. Der Zeitpunkt variiert natürlich, da ich nicht immer zur gleichen Zeit schlafen gehe. Ich habe auch schon mal Situationen, wenn ich beruflich nach München oder London fliegen muss, in denen ich mich früher anschließen muss, damit ich 9 Stunden dialysieren kann. In der Regel schließe ich mich zwischen 22.30 und 23.00 Uhr an die Maschine an und den Rest übernimmt der Cycler, der ja entsprechend programmiert ist.

Wie läuft die Urlaubsplanung bei Ihnen ab? Nehmen Sie Ihren Cycler mit und wie verfahren Sie mit den Dialyselösungen?

Den Cycler nehme ich in der Regel mit in den Urlaub und die Dialyselösungen lasse ich mir an den Urlaubsort kommen. Dabei habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht: Auf Mallorca läuft das sensationell, während es in England immer wieder Probleme gibt.

Welche häuslichen Voraussetzungen müssen für die APD gegeben sein?

Für die APD brauche ich einen Stromanschluss und eine Ableitung. Für die Dialyselösungen benötigt man etwa 2 m² Lagerraum, aber wir haben hier kein Platzproblem.

Wie oft fahren Sie zu Routineuntersuchungen ins Dialysezentrum?

Einmal im Quartal.

Können Sie während der nächtlichen Dialyse gut schlafen oder stören Sie z. B. Geräusche oder Alarmsignale?

Es gibt schon mal Alarme, von denen ich auch wach werde. Das Gerät selbst verursacht zudem ein Basisgeräusch. Ich bin da aber im Gegensatz zu meiner Frau nicht so empfindlich. Ich werde nachts immer mal wach, das war auch ohne Cycler schon so. Wenn ich dann aber schlafe, schlafe ich – dann können Sie nebenan auch mit lauter Musik feiern.

Wenn Sie andere Patienten beraten sollten, welche Vor-und Nachteile der APD würden Sie ihnen nennen?

Der große Vorteil der APD besteht darin, den Tag komplett frei zu haben. Tagsüber habe ich mit der Dialyse gar nichts zu tun. Bei der CAPD müsste ich alle 3–4 Stunden einen Beutelwechsel durchführen. Wenn ich im Homeoffice bin, könnte ich das machen, nicht aber, wenn ich beruflich unterwegs bin. Die APD ermöglicht mir die volle Berufstätigkeit. Ein Nachteil der APD fällt mir nicht ein.

 

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