Aus der Wissenschaft

Leitlinien zu Nierenerkrankungen bei Diabetes

Bei Patienten, die wegen einem Diabetes ein Nierenversagen entwickeln sollte die PD als Einstiegsbehandlung favorisiert werden. Das empfiehlt die „Nationale Versorgungs-Leitlinie zur Nierenerkrankung bei Diabetes im Erwachsenenalter“, die u. a. von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung herausgegeben wird.

Gründe für diese Empfehlung gibt es viele. Patienten mit Diabetes profitieren von der PD, weil kein arterio-venöser Zugang(„Shunt“) oder zentralvenöser Dialysekatheter erforderlich ist. Bei Diabetikern kommt es nämlich häufiger zu Fehlfunktionen dieses Shunts.

Da die PD über das Bauchfell und nicht über das Blut erfolgt, wird außerdem das Herz geschont. Das ist bei Diabetespatienten besonders wichtig, da häufig bereits eine Herzschwäche vorliegt, die sich durch die Hämodialyse (HD) noch verschlechtern kann. Auch HD-bedingte Blutdruckschwankungen können problematisch sein, da Diabetespatienten adäquate Anpassungsreaktionen auf den Volumenentzug während der Dialyse fehlen.

Durch den Einsatz glukosefreier Dialyselösungen kann die Stoffwechseleinstellung deutlich verbessert werden.

Für alle Dialysepatienten gilt: Eine eventuell noch vorhandene Nierenrestfunktion kann durch PD länger erhalten werden und die Bauchfelldialyse ermöglicht einen weitgehend eigenverantwortlichen und flexiblen Alltag.

Deutschland hinkt hinterher

Die PD wird im internationalen Vergleich in Deutschland sehr wenig genutzt: Nur etwa ein Drittel der Dialysezentren betreut PD-Patienten und davon wiederum nur ein Drittel mehr als
10 Patienten. Die Autoren der Leitlinie machen deshalb neben der späten Zuweisung zum Nephrologen vor allem fehlendes Wissen über die zur Verfügung stehenden Dialysemethoden
dafür verantwortlich, das so wenigen Patienten die PD überhaupt angeboten wird.

Erfolgt hingegen eine offene, ausführliche Beratung zu den Möglichkeiten der unterschiedlichen Dialyseverfahren, entscheiden sich viele Patienten (30–50%) für eine PD. Hier können die behandelnden Diabetologen eine Schlüsselrolle dabei einnehmen, die Leitlinie aktiv umzusetzen, indem sie die Patienten frühzeitig aufklären bzw. überweisen und gezielt diejenigen Nephrologen einbeziehen, die auch eine für Diabetiker optimierte PD anbieten.

 

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